Darmstädter Echo 09.01.2009


Faszinierendes aus einer fremden Welt

Musik: [re:jazz] präsentieren im Ried-Casino einen Konzertfilm, der die Band auf einer Tournee durch Japan zeigt

Gross-Gerauer Echo 29.5.2008

NAUHEIM. „Es war einfach crazy – im positiven Sinn“, sagte Percussionist Heiko Himmighoffen über die Japan-Tour der Band [re:jazz] und brachte es damit auf den Punkt. Im April 2007 reiste die Gruppe in den fernen Osten, um dort ihre Fans zu begeistern. Der Frankfurter Filmemacher Markus Bader begleitete sie dabei in Ton und Bild. Auf diese Weise entstand ein neunzigminütiger Konzertfilm, der verschiedene Formen der Faszination beschreibt – die Magie des Jazz, die Überraschung, als Band aus Deutschland in Japan populär zu sein, und den „Kulturschock allererster Kajüte“, den die Band erlebte. Den faszinierenden Film zeigten die Musiker jetzt exklusiv im Nauheimer Ried-Casino.
„Musik ist mein Leben“, darüber sind sich alle Bandmitglieder einig. Genau diese Einstellung spiegelt der Film auch wider: eine faszinierende Mischung zwischen Reiseimpressionen und Konzertausschnitten aus dem Blue Motion Club in Yokohama. Neben einem Radioauftritt standen neun Auftritte in Tokio, Kyoto, Yokohama und anderen japanischen Großstädten an. Japan war „interessant, traditionsbewusst, schnell, hektisch und freundlich“, heißt es. In Erinnerung blieb auch der respektvolle Umgang der Menschen untereinander.

Obwohl die Band im Publikum saß und nicht auf der Bühne stand, kam es den Besuchern doch so vor, als seien sie live bei einem Konzert dabei. [re:jazz], das sind Oliver Leicht (Saxophon), Inga Lühning (Gesang), Jan Stürmer (Gitarre), Matthias Vogt (Klavier), Heiko Himmighoffen (Percussion), Andreas Manns (Bass) und Volker Schmidt (Drums).

Die Bandgeschichte begann im Jahr 2002, als die Macher des Frankfurter Infracom-Labels den Pianisten Matthias Vogt beauftragten, Jazzversionen ihrer Elektronikstücke zu erstellen. Damals konnte niemand ahnen, was da folgen würde: Der in Rüsselsheim geborene, in Frankfurt lebende Vogt formte aus dem Projekt eine Band, auch mit Hilfe seines aus Nauheim stammenden alten Schul- und IKS-Big-Band-Freundes Oliver Leicht, der mittlerweile in Köln beheimatet ist. Er brachte Musiker aus seinem Kölner Umfeld in die Band, Vogt seine Frankfurter Kollegen.

Mittlerweile schaut [re:jazz] auf drei Studioalben zurück, ein neues ist in Arbeit. Auf ihren Alben arbeiteten [re:jazz] mit Jazzgrößen wie Eric Truffaz, Viktoria Tolstoy, Till Brönner oder Nils Petter Molvaer. Das Septett ist mittlerweile eine der erfolgreichsten modernen Jazzformationen Deutschlands – mit über 60 000 verkauften CDs und einer großen Fangemeinde auch in Japan, wodurch die Idee für die Tour entstand.

„Wir sind keine Coverband, sondern reinterpretieren Lieder so, dass das Original kaum noch erkennbar ist. Alle Jazzfacetten werden eingebaut“, sagt Vogt. „Jazz bedeutet Freiheit, eine Interaktion zwischen Musikern, und vor allem macht es immer Spaß.“ Das hört und spürt man – vom ersten Percussionton bis zum letzten Klavierakkord. „[re:jazz] – Live at Motion Blue Yokohama“ erscheint Ende Mai als CD und DVD. Informationen gibt es auch im Internet unter www.re-jazz.de.

Dennis Möbus


[re:jazz]
Plattenkritik Live At Motion Blue Yokohama
Jazzthing Juni - August 08

Acid Jazz ist nicht tot. [re:jazz] sind das beste Beispiel. Im April tourte die Band um Sängerin Inga Lühning
und Pianist Matthias Vogt durch Japan, das Konzert in Yokohama wurde für diesen release auf CD und DVD mitgeschnitten. Das Resultat belegt: [re:jazz] sind die perfekte Band für das japanische Publikum. Hochproffesionell, authentisch, mit den korrekten Referenzen und einem coolen Kanon von Cover-Versionen. Ihre Interpretation von< Coldcuts "People Hold On" und Soul II Souls "Keep on Moovin" sind mit Gefühl in den Jazz übersetzten Hommagen an die Orginale. Das Live-Album ist eigentlich längst überfällig und transportiert die Idee von [re:jazz] besser auf Tonträger als die bisherigen Studioalben. Der Fokus auf den musikalischen Wohlfühlfaktor in den [re:jazz]-Interpretationen wurde oft thematisiert, die leidige Diskussion wird anhand von "Live At Motion Blue Yokohama" aber obsolet. Das Septett führt vor, wofür es sich 2002 erstmals zusammengefunden hat, nämlich elektronische Orginale akustisch und hangespielt aufzuführen. Mit "All Over" und "Can You Live" sind zudem zwei neue Eigenkompositionen vertreten. Keine Frage, hier steht eine sehr lebendige Band auf der Bühne.
hh


[re:jazz] EXPANSION

Musikwoche

"Das Septett aus Frankfurt um den Pianisten und Arrangeur Matthias Vogt und Sängerin Inga Lühning zählt mit 60.000 verkauften Alben zu den international erfolgreichsten Jazz-Bands Deutschlands. Auf dem dritten Longplayer überzeugt re:jazz mit außergewöhnlichen Coverversionen.So erweckt die Band unter anderem Joe Smooths House-Hit 'Promised land' zu neuem Leben und zeigt, dass der Song 'People hold on' von Coldcut auch als Big-Band-Swing-Nummer hervorragend funktioniert".


Herausforderung souverän gemeistert
Matthias Vogts [re:jazz] nimmt auf der neuen CD "Point of view" einen Gang heraus
Mainspitze 17.11.2004

RÜSSELSHEIM "Keep on movin´, don´t stop" - Mit diesen Worten beginnt die neue [re:jazz]-CD "Point of view" (Infracom). Sie gehören zum gleichnamigen Song von "Soul II Soul", den der Rüsselsheimer Musiker Matthias Vogt seiner neuen Produktion quasi leitmotivisch vorangestellt hat. Nach dem unerwarteten Verkaufserfolg der ersten [re:jazz] stand Vogt vor einer kritischen Herausforderung. Die zweite Platte ist immer schwieriger als die erste, und nicht wenige Kollegen haben sie vermasselt, weil sie versuchten, das Rezept des ersten Male auf die Spitze zu treiben, und sich dabei selbst verloren.

Nicht so bei Vogt! Anstatt das von eingängigen Vocal-Hooklines geprägte Debüt mit aufgeregten Gesangstiraden und überkandidelten Instrumentalpassagen aufzumotzen, nahm er über weite Strecken einen Gang raus. "Point of view" kommt verlangsamt, geschmeidig, cool, um alles Komplexe erleichtert daher. Manche Passagen scheinen sich im Jenseitigen verflüchtigen zu wollen, ohne auch nur einen Hauch von Schwermut zu transportieren.

Strategisch ist dies sicher die richtige Entscheidung. Denn am Konzept ändert sich im Vergleich zum Erstling nichts: Erneut werden elektronisch generierte Dancefloor-Tracks in Jazz rückübersetzt. Was nicht heißt, dass die ganze Sache hüftsteif daherkommen würde. Im Gegenteil, Vogt arbeitet konsequent daran, dem Jazz seine vor Jahrzehnten verlorene Tanzbarkeit zurückzugewinnen.

Die Vorbilder entstammen längst nicht mehr allein dem Katalog des Hauses "Infracom". "Kruder & Dorfmeister", "Air" oder "Goldie" heißen die Themengeber diesmal. Gleichzeitig bleibt Vogt bei seinem Konzept, prominente Kollegen für Gastbeiträge zu gewinnen. Posaunist NilsWogram, das Freiburger "Akustik-Soul"-Duo "Tok Tok Tok" oder der aktuelle Shooting Star unter den weiblichen Jazz-Stimmen, Victoria Tolstoy, sind da zu hören. Und - für die Kenner der Szene eine nachgerade sensationelle Nachricht: Nach zehn Jahren ist der norwegische Trompeter Nils Petter Molvaer auf dieser Produktion erstmals wieder mit einem überragenden Solo ganz ohne elektronischen Effekt zu hören.

Dass bei aller Ruhe die Sache nicht zum Stillstand kommt, ist deutlicher denn je dem Bassisten Andreas Manns zu verdanken, der sich ohne viel Firlefanz in den Vordergrund spielt und die Sache am Laufen hält. Ohne ihn wäre [re:jazz] nur die Hälfte wert.

Unter den Solisten ragt erneut der aus Nauheim stammende Saxophonist Oliver Leicht heraus, dem das [re:jazz]-Konzept besonders zu liegen scheint. Gleich zu Beginn, auf der "Rockers-Hifi"-Nummer "Push, push" macht er mit einem kraftvollen Solo auf sich aufmerksam.

Dennoch wäre auch "Point of view" nichts, ohne seine Sängerinnen, die sich wunderbar in die zurückgenommene Grundstimmung einfügen. Inga Lühning, Lisa Bassenge, Victoria Tolstoy und Jhelisa Anderson sind es vor allem, die mit unaufdringlichem, nachdenklichem Timbre für Atmosphäre sorgen.

Hut ab vor dieser CD! Sie könnte den Grundstein für eine Erfolgsstory legen, deren Ausmaß jetzt noch gar nicht zu überblicken ist. Vogt, da kann es keinen Zweifel geben, hat seine Karriere im Griff. "Point of view" ist der richtige Schritt in einem überzeugenden Masterplan!

[re:jazz] spielt am Freitag, 7. Januar, um 20.30 Uhr im Rüsselsheimer Stadttheater (Hinterbühne). Vorverkauf: zehn Euro; Abendkasse: 12.50 Euro.
Stephan A. Dudek




[re:jazz]
Point Of View

INFRACOM!/SOULFOOD
Frankfurter Rundschau

Was die "MTV Unplugged"-Serie Anfang der Neunziger war, ist heute "[re:jazz]": der konzentrierte, von vielem Schnickschnack befreite Blick auf musikalische Erinnerungen. Vor zwei Jahren eigentlich als einmaliges Event geplant, schreitet das Projekt des Frankfurter INFRACom! -Labels jetzt munter weiter und öffnet die Tore zu Songs und Tracks außerhalb des eigenen Katalogs. Matthias Vogt, sein Jazztrio (siehe Foto unten) und eine weitere illustre Riege aus Gastmusikern und -sängerinnen wagen sich erneut mit akustischer Finesse und einer Mischung aus melancholischer Verklärung und mutiger Neuinterpretation an Vorlagen, die der heterogenen Welt der Pop- und Clubmusik entstammen. An Originale, die nun in ihrem akustischen Jazzgewand kaum mehr zu erkennen sind, wie etwa an "His Name Is..." der vor zwei Jahren aufgelösten UNITED FUTURE ORGANIZATION aus Japan, das nun von Nils Petter Molværs seelenwundem Trompetenspiel zum ätherischen Epilog veredelt wird. Oder "Inner City Life": Die einstige Drum'n'Bass-Wucht von GOLDIE wandelt sich zu einem nachtschattigen Traum in Moll, auf dem Sängerin Jhelisa Anderson einen zeitlos schönen Song freilegt. "Deep Shit" von KRUDER & DORFMEISTER klingt in der [re:jazz]-Version plötzlich saftig und barock, taumelt wie besoffen in ein Freejazz-Finale und will von "Dope-Beats" nichts mehr wissen. Auch "That Night" von JAZZANOVA hat man so noch nie gehört: Es singt eine Frau (Viktoria Tolstoy) statt ein Mann (Vikter Duplaix), alle Beats sind wie weggezaubert und anstelle gebrochener Rhythmik leistet sich dieser Song nun ein sinnliches, kammermusikalisches Outfit, das fast allein von Matthias Vogts Piano getragen wird. Andere Songs und Stücke kommen dem Original schon näher, leisten sich nur ein anderes Arrangement. "All I Need" von AIR gewinnt nichts hinzu, bleibt aber ein Popsong voll majestätischer Erhabenheit. Ultra Naté singt ihr "Twisted" noch einmal, diesmal ohne 4HERO aber auf einer etwas luftigeren Bühne. Und "Keep On Movin'" (im Original von SOUL II SOUL) gibt sich fast etwas zu brav in seiner verträumten Pose. Da wirkt das nachfolgende "Push Push" wie eine Frischzellenkur, die die Vorlage von ROCKERS HIFI solange mit Souljazz auflädt, bis sie in neuen Farben glüht. Ja, "Point Of View" ist nicht nur Ansichtssache sondern auch ein echtes Stück Liebhabermusik. Es wirkt wie ein Kamin, in dessen Wärme man sich in der kommenden Zeit immer wieder gern kuscheln wird. (VÖ:08.11.2004) - www.rejazz.de
(svs)




[re:jazz]
Perspektivspieler
Jazzthing Nov 04 - Jan 05

"Zu Beginn hatte es noch einen starken Projekt-Charakter", räumt Pianist, DJ und Produzent Matthias Vogt ein. "Ich war von einem Album und ein oder zwei Live-Gigs ausgegangen. Miilerweile bin ich jedoch mit Herz und Seele dabei, zumal es uns auch als band zusammengeschweißt hat." Die Band, das sind zum einen Andreas Manns (Bass) und Volker Schmidt (Schlagzeug), die sich noch aus Studioumstagen kennen und im Matthias Vogt Trio seit 1998 eine kongeniale Einheit bilden. Für Konzerte wird [re:jazz] mit Gesang (Inga Lühning), Saxofon (Oliver Leicht), Gitarre (Hanno Busch) sowie Percussion (Heiko Himmighoffen) aber noch zu einer siebenköpfigen Band erweitert. Eine kontinuierliche Arbeitssituation gerät somit zu einem organisatorischen Schwerst-Akt: "Die Musiker kommen aus völlig verschiedenen Städten und Regionen, sodass eine Probe erst kurz vor dem Auftritt möglich ist." Steht das Matthias Vogt trio gleichbedeutend mit [re:jazz]? "Ein klares Jein! Einerseits ist das Trio die Keimzelle des Ganzen. Erst habe ich eine lose Idee im Kopf, die ich dann am KLavier umsetze. In der Triobesetzung siebt ein Filtersystem die Ideen, woraufhin die Arrangements entsetehen. Andererseits wind [re:jazz] aber erst durch die vielen anderen Musiker zu dem, was es ist."
23 Künstler waren es insgesamt; die sich im Frankfurter Art Of June an "Point of View" beteiligten: neben den Gastsängerinnen Lisa Bassenge, Ultra Naté, Viktoria Tolstoy und Jhelisa Anderson weiter illustere Herrschaften wie Nils Petter Movær, Nils Wogram oder Thomas Siffling. Sie alle tragen dazu bei, dass die Clubhits auf dem zweiten Album außerordentlich geschmackvoll, raffiniert und doch unverkrampft in die Welt des akustischen Jazz transportiert werden. Während beim Debütalbum zum Jubiläum noch ausschleißlich der labeleigene Katalog geplündert wurde, weitete sich der Kreis potentieller Kandidaten diesmal erhelblich aus. Beim Blick über den Tellerrand - mal näher bei befreundeten Plattenfirmen wie Compost (Trüby Trio) oder Stereo Deluxe (Mo' Horizons), mal weiter bei den Interpretationen von Soul II Soul oder Goldie - gab es die entsprechend vielfältigen Diskussionen. "Die Liste der möglichen Songs haben Jan, Namé und ich gemeinsam erstellt. INFRACom! übernimmt viele Entscheidungen bei der Entstehung und Durchführung und fungiert auch als Executive Producer - da aht jeder seine Meinung inst Spiel gebracht.".....
Mit Gespür für einen warmen Ton und eine ausgewogene INstrumentierung glänzen die 13 Lieblingslieder von so unterschiedlichen Interpreten wie Air ("All I Need"), Ultra Naté ("Twisted") oder Jazzanova ("That Night") in einem neuen Licht, einem eigenen Blickwinkel, wie es auch der Albumtitel vorgiebt. Die Melodie des Orginals kann mitgesungen werden,doch es ist bei jedem der Songs mehr als nur eine Coverversion. Vielmehr zollt [re:jazz] höchsten Tribut und zeigt gleichzeitig wenig Respekt vor gewagten Eingriffen. Ein guter Song ist und bleibt ein guter Song, egal, wie oft man ihn schon gehört hat. Diesen Standpunkt unterstreicht besonders "Push Push": Der Souljazz-Groove mit Saxofon und dem beseelten Gesang von Onejiru (u.a. Turtle Bay Country Club) macht den Electro-Dub von Rocker Hifi vergessen. Das Vorghehen ind Studio? "Wir haben es zwei Wochen gemietet und alles kompakt bei Heinz Hess aufgenommen. Anschließend kam beinahe Wehmut auf, wenn man daran dachte, welche Wunschstars sich die Kloinke ind die Hand gegeben haben. Bei mehreren Songs pro tag rauchte anschließend schon der Kopf! ZUm Glück gab es im Vorfeld bereits Probeaufnahmen für erste Absprachen bezüglich des Arrangements - auch wenn es in manchen Fällen dann doch spontan umgestellt wurde. Jeden Tag eine Begegnung mit jemandem, den man schon immer kennen lernen wollte: eine harte, aber gleichzeitig auch spannende und kreative Zeit"....
Henrik Drüner




Fingerspitzen trommeln mit
Konzert: Der Rüsselsheimer Bassist Andreas Manns spielt mit seinem Oktett funklastigen Jazz im „Rind“ – Erster Auftritt mit der Formation des Studienabschlusses
Rüsselsheimer Echo vom 30.12.2003

Voll besetzt waren die Sitzplätze am Sonntagabend im Kulturzentrum „Rind“, auf denen sich die Jazzfans mit einem Glas Sekt und Taccos einen geruhsamen Abend machten. Voll besetzt war auch die Bühne, auf der das Oktett von Andreas Manns das Jazzcafé gestaltete. Viele nutzten die ruhigen Tage zwischen Weihnachten und Silvester, um den versierten Musikern bei gepflegtem, funklastigem Jazz zu lauschen.

Da tänzelte einfühlsam die Stimme eines Tenorsaxofons, gespielt von Holger Fröhlich, um ein Grundthema herum, während Schlagzeuger Dirk Wagner sanft mit Besen sein Instrument streichelte. Andreas Manns an der Bassgitarre hielt sich im Hintergrund der Bühne auf und überließ den Bläsern den vorderen Bühnenrand. Ein wenig publikumsscheu genoss der Bandchef jedoch seinen Auftritt und zupfte mit einem Lächeln auf den Lippen die Saiten.

Vor einem halben Jahr hat der Rüsselsheimer Andreas Manns sein Jazz-Studium in Mannheim erfolgreich beendet. Die Abschlussband, mit der er seine Prüfung absolvierte, war jene, mit der er seinen Auftritt am Sonntagabend im „Rind“ bestritt. Neben Andreas Manns traten Sandor Kovacs (Trompete), Joachim Lösch (Trompete), Andreas Lehmann (Altsaxofon und Flöte), Holger Fröhlich (Tenorsaxofon), Udo Salamon (Baritonsaxofon), Michael Grün (Keyboard) und Dirk Wagner (Schlagzeug) auf.
Mit vollmundigem Bläsersatz begann etwa ein Titel von Miles Davis. Die Noten dieses Arrangements herauszuhören, habe viel Arbeit gekostet, erklärte Fröhlich zu Beginn des Stückes. Rhythmisch wippten Fersen und trommelten Fingerspitzen auf Tischplatten. Die Soli einzelner Musiker wurden beklatscht und auch denjenigen im Publikum, die nicht zu den eingefleischten Jazzfanatikern gehörten, gefiel, was sie zu hören bekamen. Ein Solo Manns auf der Bassgitarre bewies sein Können, und andächtig lauschte das Publikum, so dass man beinahe eine Stecknadel hätte fallen hören können. Seit seiner Abschlussprüfung war das Konzert der erste Auftritt vor Publikum. Weitere sind geplant.
Susanne Rapp



Große Besetzungen wieder gefragt
Das "Andreas Manns Oktett" beim "Jazzcafé" im Rüsselsheimer Kulturzentrum "das Rind"
Main Spitze vom 30.12.2003

RÜSSELSHEIM Großer Bahnhof im "Rind" - auch zum letzten "Jazzcafé" des Jahres konnte sich die "Jazzfabrik" wieder über guten Besuch freuen. Nahezu komplett besetzt zeigte sich der Saal. Die Besucher erlebten den ersten öffentlichen Auftritt des "Andreas Manns Oktetts", das mit funky Bläsersounds für immensen Druck sorgte.

Eines war schon bei früheren "Jazzcafés" festzustellen: Große Besetzungen sind wieder gefragt. Wie schon Saison-Highlight Nils Wogram mit seinem Bläserseptett, kam auch Bassist Andreas Manns mit einem ansehnlichen Team ins "Rind". Mit dabei so bekannte Namen wie Joachim Lösch (Trompete) und Udo Salamon (Bariton-Saxophon).

Fünf Bläser, Bass, Schlagzeug und Piano. Dass eine solche Besetzung druckvolle Sounds geradezu herausfordert, ist klar. Und dass dies wiederum einen höheren Anteil fester Arrangements bedingt, auch. Hört man dann die komprimierte Achter-Bigband, wird deutlich, dass sich Manns Mit-Musiker nicht gegen die Vorgaben wehren. Alle Mitglieder stehen kollegial zu den Songs, spielen sounddienlich. Und ihren solistischen Auslauf bekommen die Instrumentalisten ja trotzdem, nämlich ganz Bigband-like in kurzen Features. Gespielt werden sowohl Stücke aus dem Standard-Repertoire wie auch Eigenkompositionen, fast durchweg im kraftvollen "Tower of Power"-Sound. "Das Oktett ist meine Studien-Abschlussband. Heute ist unser erster Auftritt nach der Prüfung vor einem halben Jahr", erklärte Manns. Das Projekt soll auch in Zukunft weiter bestehen.
André Domes



Swing und Jazz für Bach
Darmstädter Echo vom 04.10.2003
Benefizkonzert: Der Junge Chor Griesheim mit der Swing Size Bigband aus Frankfurt in der Griesheimer Wagenhalle

GRIESHEIM. Den Nazis war der Swing verdächtig, und sie verboten die „dekadente“ Musikrichtung. Nach dem Krieg wurde der Sound amerikanischer Bigbands auch in Europa populär, und in letzter Zeit ist die Zahl der Swing-Anhänger offenbar gestiegen. So wurde vor vier Jahren in Frankfurt die Swing Size Bigband gegründet, die mit wachsendem Erfolg durch das Rhein-Main-Gebiet tourt. Am Donnerstagabend trat sie zusammen mit dem Jungen Chor Griesheim in der ausverkauften Wagenhalle auf.
&Dies ist ein Benefizkonzert“, betonte Alexander Martens vom Lions Club Darmstadt-Castrum, dem Mitveranstalter. Die Hälfte der Einnahmen fließt dem Jungen Chor Griesheim zu, die andere dem Bach-Chor Darmstadt. Dieser Chor unter der Leitung von Horst Gehann will mit dem Kammerorchester Pro Musica Darmstadt das Gesamtwerk Bachs zu Gehör bringen. Der Junge Chor Griesheim ist Teil des Gesangvereines Frohsinn und wurde vor zwölf Jahren von Stephanie Miceli gegründet, die ihn auch heute noch leitet.
Das Niveau des Jungen Chores stieg stetig. Am Donnerstag waren vor allem Titel zu hören, die schon auf der CD zu finden sind, doch klangen sie live lebendiger und dynamischer. Wenn sich die Dirigentin ans Klavier setzt, um ihren Chor bei Freddie Mercurys „Bohemian Rhapsody“ zu begleiten, wird es ganz still in der Wagenhalle. Aber als die Herren der Swing Size Bigband dazukommen, entwickeln sich die jungen Leute aus Griesheim zu einem regelrechten Jazz-Chor. Bei „Just When The Music Takes Me“ oder „Birdland“ hat man den Eindruck, dass es so schon immer hatte klingen sollen.
Im Repertoire der Swing Size Bigband befinden sich Hits wie „The Kid From Red Bank“ (authentisch intoniert von Michael Grün am Klavier), aber auch weniger bekannte Stücke wie „Black Night Moon“ von Gary Mulligan (Stefan Völker am Baritonsaxofon). Der Posaunist Allan Jacobson singt Evergreens von Nat King Cole und klingt dabei fast wie Sammy Davies junior. Gleichsam beeindruckend sind die Doppelimprovisationen der Trompeter Frank Brixel und Joachim Lösch.
Der Swing-Size-Sound ist durchaus explosiv, aber immer kompakt, vor allem, wenn Ute Guggenheim singt. Sie ist die eigentliche Stimme der Bigband. Wie die Großen des Fachs schafft sie es, ihren Gesang als Musikinstrument in die komplizierten Arrangements zu integrieren. Die Swing Size Bigband spielt am 12. Oktober im Jazzkeller in Frankfurt.
mand



Im Club der roten Lichter [re:jazz]

Focus (Heft 12 17.03.2003)
(Matthias Vogt Trio)
Wie alles anfing, darüber sind sich ausnahmsweise einmal alle einig. Im Sommer vor zwei Jahren tritt Pianist Matthias Vogt, damals bekannt als DJ Matt, mit seinem Jazz-Trio in der Frankfurter "Stereobar" auf. "Wie hatten schon immer Pop-Nummern in Jazz-Versionen gespielt. An diesem Abend haben wir `Release Your Mind´ gespielt. Das war die Geburtsstunde des Re-Jazz."
Der Anfang war gemacht. Aus einem Song entstand das neue Konzept: Mit elektronischen Klängen und Computerrhythmen transformiert die Combo bekannte Pop- und Rock-Songs in akustischen Trio-Jazz. Tanzmusik nur zum Zuhören. Prominente Musiker wie Trompeter Till Brönner spielen Soli für Bands, die ganz vorne auf der Welle reiten. Und die Elite der deutschen Chanteusen singt dazu, als wären die großen schwarzen Damen der Genres präsent, wie in den 30er- und 40er-Jahren, dls der Jazz noch ästhetische Großmacht war.
Ohne Sängerinnen wie Lisa Bassenge, Inga Lühning, Linda Carriere, Claudia Christen oder Joy Denalane, wäre alles nichts. "Der Jazz hat meistens die Stimmen gebraucht, um populär zu werden", sagt Pianist Vogt. ...
Detlev Reinert



"[re:jazz]" (Infracom/Soulfood)
KulturSpiegel das Programm-Magazin (Heft 1 Januar 2003)
(Matthias Vogt Trio)

Zehn Jahre lang belieferte Infracom die Welt mit deutscher elektronischer Avantgarde wie Jazzanova oder den Phoneheads. Für die 100. CD hat das Frankfurter Label 13 Elektro-Stücke aus seinem Katalog von einem Jazz-Trio plus Gastsängern und -musikern nachspielen lassen und beweist: So klingt's auch verdammt gut.
Hans Hielscher / Marianne Wellershoff



[re:jazz]- Eine Reminiszenz an den Jazz
(11.11.2002) - Hamburg (dpa)

Vorweggenommen: Das Geschenk, dass sich Jan Hagenkötter und Namé Vaughn zum 10. Geburtstag des von ihnen gegründeten Labels und Verlages INFRACom gemacht haben, ist eine höhrenswerte Reminiszenz an den Jazz. Die Aktivitäten der beiden Frankfurter kreisen um viele Spielarten elektronischer Musik und mit einem bemerkenswertem Gespür für kommende Trends und musikalische Talente machten sie ihr Club-Musik-Konzept zu einer festen Größe. Als 100. Veröffentlichung präsentiert «[re:jazz]» nun 12 Highlights aus der vergangenen Dekade des Labels.
Hagenkötter und Vaughn pflegen das Prinzip der «stilistischen Offenheit», welches sie mit immer noch ungetrübter Begeisterung verfolgen ohne sich auf ein bestimmtes Genre festzulegen. Vor der Gründung des eigenen Labels waren «DJ Jan Japaan» und «DJ Viet Namé» in der Party-Szene für ihre undogmatischen, mitunter subversiven Auffassungen bekannt, stets getrieben neue musikalische Ideen zu verbreiten. Mit INFRACom wird die Philosophie verfolgt, Musiker zu fördern ohne sie an Verträge zu knüpfen und Strukturen eines Netzwerkes zu schaffen, das Kreative und Fans zusammenbringt.
Bei der Label-Arbeit wird darauf geachtet Musik zu produzieren die so viel eigene Substanz hat, dass sie ebenso gut mit einer kleinen Besetzung ohne technischen Aufwand gespielt werden kann. Die Stücke werden von den Musikern regelrecht komponiert und arrangiert, und sind eben nicht nur montierte Samples. Das wird auf «[re:jazz]» ganz deutlich: Eine Jazzband mit Piano, Schlagzeug und Bass von Gesang und Bläsern unterstützt, spielte die ursprünglich digitalen Stücke ein. Die Originale sind Kompositionen von bekannten Acts wie Hacienda («quiet nights»), Aromabar («cupid & orlando»), Kosma («arena»), Megashira («mental strength») oder Cleveland Watkiss («torch of freedom»).
Alle Tracks wurden von Matthias Vogt («DJ Matt») arrangiert und mit seinem Trio eingespielt: Matthias Vogt am Piano, Andreas Manns am Bass und Volker Schmidt an den Drums. 14 profilierte Gäste, darunter die Vocalistinnen Inga Lühning und Joy Denalane, Flügelhornist Till Brönner und Trompeter Erik Truffaz, vervollständigen das Ensemble. Geboten werden swingende Rhythmen, Latin-Lounge-Anklänge, verhaltene Piano- Impressionen und elegante Bläser-Sätze. Stilsicherer wurde selten die entspannende Atmosphäre einer Jazz-Bar heraufbeschworen





Various Artists
Jazz Podium (Ausgabe 10/2002)
Plattenbesprechung: [re:jazz] INFRACom IC 100-2
(Matthias Vogt Trio)

Mit [re:jazz] feiert das Label INFRACom nicht nur seinen 10. Geburtstag, sondern auch die 100. Veröffentlichung. Ein häufiger Weg solch einen runden Geburtstag zu feiern ist ein Best Of oder Remix-Album der größten Hits. Auch INFRACom geht diesen Weg, jedoch anders als dies zu erwarten war. Denn kreisten die Aktivitäten des Frankfurter Labels bisher um alle Spielarten der elektronischen Musik, präsentiert die Jubiläums-CD [re:jazz] die schönsten Veröffentlichungen der letzten Jahre, ganz ohne Computer, Samples und Synthesizer, dafür mit einem klassischen Jazz-Trio (Matthias Vogt, Piano, Andreas Manns, Baß, Volker Schmidt, Schlagzeug) und vielen illustren Gästen, wie Till Brönner am Flügelhornn oder Erik Truffaz an der Trompete. Alle gemeinsam fabrizieren mit [re:jazz] ein spannungsgeladenes Album, das in jedem der zwölf Tracks überzeugen kann. Ein absolutes Highlight unter einer Vielzahl der Höhepunkte ist der Song "Cupid & Orlando" im Original vom INFRACom Projekt Aromabar, der von der Sängerin Inga Lühning absolut elektrisierend interpretiert wird. Auch der Soulpatrol Song "Release Your Mind" präsentiert mit Oliver Bott am Vibraphon einen Gast, der die gesamte Bandbreite seines Instruments auszunutzen weiß. [re:jazz] ist ein geniales Album, bei dem endlich ein anderer Weg bestritten wird, die Umwandlung elektronischer Musik in wundervoll gespielte klassische Jazz-Arrangements.
Martin Lücke



Brillanter Swing im Jagdhofkeller
Darmstädter Echo vom 16.9.2002
(Swingsize Orchestra)

DARMSTADT. Unter ÑSwingì versteht man eine populäre Jazzform der späten dreißiger Jahre ñ vorwiegend zu Tanz und Unterhaltung präsentiert. Das davon abgeleitete Verb Ñswingì beschreibt dagegen einen Zustand, der stilübergreifend für den Jazz steht. Besonders aufregend wird es, wenn beide Kriterien zutreffen. Beim Konzert des ÑSwing Size Orchestraì am Samstag war dies im Bessunger Jagdhofkeller der Fall. Diese Band besteht aus elf hochkarätigen Musikern aus dem Rhein-Main-Gebiet, die eigene Arrangements von Titeln aus der Swing-Ära packend intonieren. Hierfür zeichnet der junge Frankfurter Saxofonist Jens Hunstein verantwortlich, der Ohrwürmer von Count Basie, Ray Charles und und anderen mit den Klangmöglichkeiten der Gegenwart aufbereitet.
Brillante Instrumental-Solisten bringen spannende Abwechslung in die Bläsersätze. Höhepunkte bildeten die Chorusse von Daniel Guggenheim (Tenorsaxofon), Allen Jacobson (Posaune) und Trompeter Joachim Lösch (überragend in ÑStardustì). Als Bindeglied zur kräftig swingenden Rhythmusgruppe wirkte der spielfreudige Pianist Michael Grün, während die temperamentvolle Sängerin Ute Guggenheim einen Schuss Soul dazugab, was einige Paare auf die eiligst eingerichtete Tanzfläche trieb. Dem Feger ÑJumpín Jiveì folgte mit ÑRoute 66ì unter Beifallsstürmen der Kehraus.
hdv



Verinnerlichter „Groove“ mit feinen Nuancen
Der Berliner Schlagzeuger Dirk „Duke“ Morning spielte im „Jazzcafé“ beim Kulturzentrum „das Rind“
Zeitung Mainspitze vom 05.02.2002

RÜSSELSHEIM - Wie zu erwarten, ging es am Sonntagabend im „Jazzcafé“ hochklassig zu. Drei Jazzgrößen der hiesigen Szene unterstützten den Berliner Drummer „Duke“ Morning. Die Rahmenbedingungen waren nicht gerade das Gelbe vom Ei: Zum einen lag die Besucherzahl mit rund 30 Gästen unter „Jazzcafé“-Durchschnitt, zum anderen konnte die Bühnenbeleuchtung nicht gerade überzeugen. Zwei Neonröhren bestrahlten das Quartett von der Decke, so dass eher Jazzkantinen- als –café-Atmosphäre aufkam.
Ganz im Gegensatz dazu standen die Leistungen der vier Musiker. Andreas Manns (Bass), Georg Boessner (Piano) und Chris Zimmer (Saxophon, Flöte) bürgen schon für hohes Niveau. Zu ihnen gesellte sich der Berliner Drummer „Duke“ Morning. Von Swing bis Acid reichte die Programmatik der beiden packenden Sets. Klassische Standards waren ebenso zu finden wie Nummern mit progressiveren Ansätzen, beispielsweise Billy Cobhams „Red Baron“.
Das Quartett begeisterte mit großem Einsatz und purer Spielfreude. Dass die Chemie auf der Bühne stimmte, wurde besonders im moderneren zweiten Set deutlich. Überaus relaxt spielten die vier gegen das grelle Licht an. Morning bewies dabei, dass er als Schlagzeuger die Bedeutung des Wortes „Groove“ absolut verinnerlicht hat, aber auch das nötige Gefühl für feine Nuancen aufbringt. In Sachen „Variabilität“ standen seine Kollegen Morning in nichts nach. Gerade Bassist Manns harmonierte perfekt mit dem Berliner Gast. Das Duo Zimmer/Bössner zeigte ja schon vergangene Woche im „Rind“, wozu es melodisch fähig ist.
André Domes



Jazzpodium (Ausgabe Dezember 2001)
Plattenbesprechung: Touch Of Lips hr MEDIA hrmh 004-01
(Landes Jugend Jazz Orchester Hessen)
 
Begeisternde Worte für das LJJO Hessen von nicht ganz unbedeutenden Musikern wie Nat Adderley, John Clayton und Jiggs Wigham schrauben die Erwartungshaltung des Hörers dieser CD entsprechend hoch. Und in der Tat: Man wird nicht enttäuscht. Zeigte die CD "Kicks And Sticks" von 1990 bereits außergewöhnliches Format dieser Band, so wird dieses mit vorliegender Scheibe, im Januar 2001 eingespielt, noch übertroffen. Was das Orchester hier unter der Leitung von Wolfgang Diefenbach bietet, hat eindeutig hohes professionelles Niveau. Was an den Aufnahmen beeindruckt, ist einmal das perfekte dichte Zusammenspiel von Brass- und Reed-Sections, das bei aller Power und Kompaktheit nie zu einem dicken Klangbrei verschwimmt, im Gegenteil: Transparenz in der Satzarbeit ist ein beachtenswertes Kennzeichen. Auf gleich hohem Standart bewegen sich die Solisten. Alle überzeugen nicht nur durch handwerklich-technisches Können, sie warten auch mit Individualität ihrer Ausdrucksweisen auf. Daß die Band nicht einseitig auf allzu bekannten Standarts festgelegt ist, sich vielmehr den Herausforderungen unterschiedlichster musikalischer Konzeptionen in nicht gerade leichtgängigen Arrangements stellt, ist ihr weiteres Plus. Stücke der modernen  Mainstream-Big-Band-Strecke stehen neben zwei sehr komplexen und anspruchsvollen Komositionen uns Arrangements von Maria Schneider. Es wird ins swingende Traditionsfach gegriffen, und dazu in völligem Kontrast fließt mit Albert Mangelsdorffs "Blues variations" - er ist hier auch der Gastsolist - neutönerisch gefärbtes Material ein. Das Spektrum wird erweitert durch mächtig groovenden Funky-Sound ("Chunky"), dominiert durch E-Girarre und Altsaxophon über dichtgesrickten Bläsersätzen. In Hip Hop-Gefilde führt Rapper Elwyn L. Green in "The Flea", unterstützt durch die Staccato-Vocals der Band, aber auch hier sind die Bläserparts so gesetzt, dass sie das Geschehen weitgehend mitbestimmen, eine durchaus akzeptable Synthese. In "Lovers" und "Old Cape Cod" bereicher Alley Scatz, eineVokalgruppe aus Kanada, die Szene; ihr Vorbild Manhattan Transfer ist unüberhörbar. Die Big-Band-erfahrene Vokalistin Madeline Bell ist in vier Stücken zu hören, wobei sie ihre kraftvolle Stimme mit effeektvoll nuancierter Dynamik einsetzt. In der Begleitfunktion für die Vokalistinnen zeigt das LJJO gleichwohl seine Stärke. "Goin' Wess", komponiert und arrangiert von hr-Big-Band-Chef Jörg Achim Keller, beschließt die CD; hier kommt auch Bandleader Wolfgang Diefenbach als Flötist "zu Ton". Ihn muß man bei der Leitung des LJJO fürs Musikalische wie auch fürs Geschäftliche eine glückliche Hand bescheinigen; machen doch die Tücken einer solchen Formation - u.a. vorgeschriebene Altersbegrenzung der Bandmitglieder und damit einhergehende Fluktuation und die stetige leidige Frage nach Geld - das Geschäft nicht gerade leicht. Diefenbachs Idealismus und unermütlichen Aktivitäten sowie nicht zuletzt auch der hörbar hohen Motivation aller bandmitglieder ist diese für eine Jugend-Jazzformation außergewöhnliche Professionalität zu verdanken, die das LJJO Hessen zu einer besonders herausragenden Band im Ensemble aller bundesdeutschen Landes-Jugens-Jazz-Orchestern macht. Quod est demonstrandum mit dieser CD.
Gerhard Hopfe


»Hörtipp«
Oberhessische Presse vom 13.9.2001
(Landes Jugend Jazz Orchester Hessen)

Schon vor mehr als einem Jahrzehnt machte Hessens Jazz-Nachwuchs auf sich aufmerksam: Für »Kicks and Sticks« gab es den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Schwer, aber nicht unmöglich, diesen Erfolg noch zu toppen. Mit »Touch of Lips« hat Bandleader Wolfgang Diefenbach jetzt ein Album vorgelegt, das stilistisch vielleicht noch abwechslungsreicher ist als der Vorgänger von 1990: Da ist zum einen Sängerin Madeline Bell, die der Produktion ihr rauchiges Timbre verleiht. Die kanadischen »Alley Scatz« mischen ein wenig »Manhattan Transfer« in den Big Band Sound und Elwyn L. Green zeigt, dass US-Stars wie Courtney Pine und Buckshot LeFonque durchaus kein Monopol auf Rap-Jazz haben. Auch Posaunen-Urgestein Albert Mangelsdorff hat eine Komposition beigesteuert und lenkt »Touch of Lips« damit wieder von Pop-Nähe auf hochkonzentrierten Kopf-Jazz. Wer sich 73 Minuten und 46 Sekunden für »Touch of Lips« Zeit nimmt, wird nach dem Hören vergessen haben, dass diese Big Band »nur« der Nachwuchs ist.
Carsten Beckmann




Der Funke, der überspringt
Taunuszeitung vom 24.7.2000
(Landes Jugend Jazz Orchester Hessen)

Kronberg.
So jung und doch schon so dicke im Jazz-Geschäft: Eher bescheiden erzählt Pianist Jens Bernhardt (21) aus Bad Hersfeld, Schlagzeuger Tobias Schirmer (17) aus Schlüchtern und Bassist Andreas Manns (22) aus Seeheim-Jugenheim von ihren Erfolgen. Diese Leistungen, die sie bei zahlreichen Musikwettbewerben erbracht haben, zeugen von ihrem Können. Das stellten sie mit der 22 Musiker starken Big Band des hessischen Landes Jugend Jazz Orchesters, in der viele hochdekorierte Nachwuchstalente spielen, am Samstagabend auf der Bühne der Burg unter Beweis.
Tobias Schirmer hat schon zwei Mal den ersten Platz bei "Jugend jazzt" belegt, auch Jens Bernhartd war bei diesem Wettbewerb erfolgreich. Der Pianist, der schon seit 13 Jahren Klavier spielt, belegte zwei mal Rang Eins. Für seinen Auftritt mit der Combo, die mit dem ersten Platz ausgezeichnet wurde bekam Andreas Manns ein Stipendium. "Ich durfte ein Semester an der Frankfurter Musik-Werkstatt studieren" erzählt er.
Trotz ihrer Leidenschaft für den Jazz spielen die Musiker weiterhin auch klassische Musik. "Aber das Faszinierende am Jazz sind der Rhythmus, das Gefühl, das Improvisieren und die Atmosphäre", erklären die drei Musiker. Es sei schön, mit Gleichgesinnten und Gleichaltrigen spielen zu können.
Zwar war das Publikum nicht ganz so zahlreich wie die Hessen-Talente es normalerweise gewöhnt sind, aber das ist für sie nicht so wichtig. "Die Hauptsache ist doch, dass wir das Gefühl des Jazz' auf dies Publikum übertragen können." Eingelanden wurde die Big Band um Gründer und Dirigent Wolfgang Diefenbach vom Kronberger Kulturkreis für das "Summertime Programm".
... Die Musiker und ihr Dirigent boten ein abwechslungsreiches uns ansprechendes "Mainstream-Jazz-Programm", das von Duke Ellington über Count Basie bis hin zu Jazzgrößen der Gegenwart reichte. Den Funken der Begeisterung und Faszination am Jazz auf das Publikum überspringen zu lassen, das ist die Kunst, und diese beherrschen die jungen Talente. Schon nach den ersten Takten konnten die Gäste den "Groove" im Blut fühlen, nickten mit dem Kopf und wippten mit dem Fuß im Takt, schlossen die Augen und sogen die Musik voller Genuß in sich auf. Auch ein besonderes Bonbon hatte die Big Band für ihre Gäste mitgebracht: Elke Wunderle, eine junge, talentierte Sängerin. Sie sang begleitet vom Orchester, die Billy Hllydays Ballade "God Bless The Child", und wurde vom Publikum mit tosendem Applaus belohnt. Ebenso die Zahlreichen Musiker der Big Band beeindruckten mit mitreißenden Soli.
Katrin Pudenz